Büroflächen umnutzen, Städte verdichten: So will die Schweiz wachsen

    Eine repräsentative Bevölkerungsumfrage im Auftrag des Migros-Pionierfonds, durchgeführt vom Gottlieb Duttweiler Institut (GDI), zeigt, wie die Schweizer Bevölkerung über Bauen, Wohnen und Verdichtung denkt  und unter welchen Bedingungen sie Veränderungen akzeptiert.

     

    Was wir über das Wohnen in der Schweiz gelernt haben

    Drei von vier Menschen sind mit ihrer Wohnsituation zufrieden. Ausschlaggebend dafür sind vor allem ausreichend Platz zuhause, gute Nachbarschaften und die Möglichkeit, langfristig bleiben zu können. Gleichzeitig erkennen viele, dass sich unser Zusammenleben angesichts des Bevölkerungswachstums verändern muss. Rund 40 Prozent sind der Meinung, dass sich die Art und Weise, wie wir wohnen und zusammenleben, aufgrund des Bevölkerungswachstums ändern muss. Weitere knapp 40 Prozent stimmen dem zumindest teilweise zu. „Der Grossteil der Befragten fühlt sich mit seiner Wohnsituation wohl, erkennt aber gleichzeitig die Notwendigkeit von Veränderungen. Das ist eine entscheidende Grundlage für Wandel“, sagt Britta Friedrich, Leiterin des Migros-Pionierfonds. „Die Umfrage zeigt zudem, unter welchen Bedingungen solche Veränderungen akzeptiert werden – etwa durch qualitative Verdichtung, grüne Aufwertung oder Umnutzung.“

     

    Wo Veränderung möglich ist

    Verdichtung wird akzeptiert, wenn sie in Städten stattfindet, wenn Grünräume erhalten bleiben und wenn sie die Lebensqualität sichtbar verbessert. Rund 80 Prozent der Bevölkerung bewerten Verdichtung als gute oder zumindest teilweise gute Massnahme gegen Wohnungsknappheit. Entscheidend ist dabei der Ort: Über alle Wohnlagen hinweg besteht Einigkeit, dass vor allem Städte den Hauptteil des Bevölkerungswachstums aufnehmen sollen, gefolgt von Agglomerationen. Ländliche Räume sollen möglichst geschont werden. Auch konkrete Massnahmen finden Zuspruch: Etwa die Hälfte der Befragten befürwortet Aufstockungen oder den Bau höherer Mehrfamilienhäuser. Ein Drittel kann sich sogar vorstellen, dass das eigene Gebäude aufgestockt wird oder in unmittelbarer Nähe ein höheres Haus entsteht. Besonders in Städten ist die Bereitschaft höher, Verdichtung auch im eigenen Umfeld zu akzeptieren.

    Zahlen zur Umfrage

    • 75% sind trotz negativer Debatte mit ihrer Wohnsituation zufrieden
    • 80% halten Verdichtung grundsätzlich für sinnvoll
    • 66% befürworten die Umnutzung bestehender Gebäude
    • 50% stimmen Verdichtung zu, wenn diese mit mehr Grünflächen, aufgewerteten Natur- und Freiräumen, besserer ÖV-Anbindung und nachhaltigem Bauen kombiniert wird
    • 15% sind bereit, Wohnfläche zu teilen

    Wo die Grenzen liegen

    Was die Menschen schützen wollen, ist der private Raum. Nähe ja, aber nicht um jeden Preis. Bauliche Nähe wird akzeptiert, gemeinschaftliche Nutzung deutlich weniger. Nur rund 15 Prozent wären bereit, ihre Wohnfläche zugunsten gemeinschaftlicher Nutzung zu verkleinern. Die Grenze der Akzeptanz verläuft beim privaten Lebensraum, nicht bei baulicher Dichte. „Verdichtung wird vor allem dort akzeptiert, wo sie bereits Teil des Stadtbilds ist – und wenn sie als qualitativer Gewinn wahrgenommen wird“, sagt Dr. Jakub Samochowiec, Senior Researcher am GDI.

     

    Drei Spannungsfelder
    • Zufriedenheit vs. Veränderung: Die Menschen fühlen sich wohl und wissen trotzdem, dass es angesichts des Bevölkerungswachstums neue Lösungen braucht.
    • Dichte vs. Lebensqualität: Verdichtung wird akzeptiert, wenn sie grün, hochwertig und gut eingebettet ist. Sie wird abgelehnt, wenn sie als Verlust erlebt wird.
    • Öffentlichkeit vs. Privatheit: Im öffentlichen Raum ist Nähe möglich. Im privaten Raum sind die Grenzen schnell erreicht.

    Neue Ideen sind gefragt!

    Die Bevölkerungsumfrage zeigt, wo und wie qualitative Verdichtung in der Schweiz auf Akzeptanz stösst:

    • bei der Umnutzung bestehender Gebäude, etwa von Büro- oder Industrieflächen zu Wohnraum
    • bei Verdichtung in Städten und Agglomerationen, nicht im ländlichen Raum
    • bei Projekten, die bauliche Dichte mit mehr Grün, besserem Umfeld und hoher Aufenthaltsqualität verbinden

    Gleichzeitig macht die Studie sichtbar, wo Entwicklungsarbeit nötig ist: Neue Wohn-, Nutzungs- und Sharing-Modelle müssen im Alltag erst noch zeigen, dass sie praktikabel sind und Lebensqualität schaffen. Akzeptanz entsteht nicht durch Konzepte auf dem Papier, sondern durch erlebbare Lösungen.

     

    Genau hier setzt der Ideenaufruf des Migros-Pionierfonds an.

     

    Gesucht werden Projekte, die qualitative Verdichtung konkret umsetzen, indem sie den bestehenden Raum besser nutzen, Begegnung ermöglichen und ökologische wie soziale Qualität sichtbar erhöhen.

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